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Warum Dienstleisterwechsel so oft schiefgehen
Der häufigste Grund: fehlende Dokumentation. Viele IT-Dienstleister dokumentieren Infrastruktur, Zugangsdaten und Konfigurationen nicht systematisch — entweder aus Bequemlichkeit oder strategisch, weil fehlende Dokumentation Abhängigkeit erzeugt.
Wenn dann ein Wechsel ansteht, ist die Übergabe eine Detektivarbeit: Wo liegen die Backups? Wer hat die Domain verwaltet? Wie ist das VPN konfiguriert? Ohne vollständige Dokumentation hängt das Unternehmen am alten Dienstleister — auch wenn die Zusammenarbeit schon längst beendet sein sollte.
Was Sie vor der Kündigung sicherstellen sollten
Zugangsdaten in Eigenbesitz
Das Wichtigste zuerst: Stellen Sie sicher, dass alle kritischen Zugangsdaten in Ihrem Besitz sind — nicht nur beim Dienstleister:
- Domain-Registrar: Login und Transfercode
- Hosting / Server: Root-Zugänge, SSH-Keys
- DNS-Verwaltung: Alle eingetragenen Records
- SSL-Zertifikate: Private Keys, sofern selbst beschafft
- Lizenzschlüssel: Alle im Auftrag verwalteten Software-Lizenzen
- Cloud-Konten: Google Workspace, Microsoft 365, AWS — als Inhaber eingetragen?
Wenn diese Daten ausschließlich beim Dienstleister liegen, haben Sie ein Abhängigkeitsproblem — das vor der Kündigung gelöst werden muss, nicht danach.
Infrastruktur-Dokumentation anfordern
Fordern Sie schriftlich eine vollständige Übergabedokumentation an: Netzwerktopologie, IP-Adressen, Konfigurationen aller eingerichteten Dienste, Backup-Konzept, Monitoring-Setup. Dies ist Ihr rechtlicher Anspruch — insbesondere wenn die Einrichtung von Ihnen bezahlt wurde.
Tipp: Stellen Sie diese Anforderung als formellen Auftrag, nicht als freundliche Bitte — und setzen Sie eine Frist.
Die Übergangsphase planen
Ein reibungsloser Wechsel braucht eine Parallelphase: beide Dienstleister arbeiten zeitgleich, bis alles übertragen und getestet ist. Planen Sie mindestens vier Wochen ein — mehr bei komplexeren Umgebungen.
- Woche 1–2: Ist-Aufnahme durch neuen Dienstleister, Dokumentations-Anforderung an alten
- Woche 2–3: Parallelbetrieb, schrittweise Übernahme nicht-kritischer Systeme
- Woche 3–4: Übernahme kritischer Systeme, Tests, Fallback-Planung
- Go-Live: Kündigung des alten Vertrags erst nach erfolgreichem Abschluss
Was einen guten Übergang ausmacht
Ein neuer IT-Dienstleister, der es ernst meint, wird:
- Keine Entscheidung drängen, solange die Dokumentation nicht vollständig ist
- Alle Zugangsdaten nach Übergabe in einem Passwort-Manager des Kunden ablegen — nicht nur beim Dienstleister
- Alles, was er einrichtet, schriftlich dokumentieren — so dass ein späterer Wechsel ohne Abhängigkeit möglich ist
- Ehrlich sagen, wenn etwas nicht übergabefähig ist oder länger dauert als geplant